Nachrichten und Berichte
von Admin
Eine Reise, die zum Nachdenken anregt
Tag 1: Anreise und Ankunft
Am ersten Tag unserer Polenreise flogen wir nach Krakau und fuhren anschließend nach Oświęcim. Nach dem leckeren Mittagessen haben wir uns einen Vortrag über die Stadt angehört von einer Vertreterin des Hauses für Gebet und Dialog, in dem wir untergebracht waren. Anschließend besuchten wir das Denkmal von Rittmeister und Widerstandskämpfer Witold Pilecki und den Ort, an dem die ersten polnischen politischen Gefangenen nach Auschwitz kamen. Danach hatten wir Freizeit und erkundeten die Stadt. Am Abend tauschten wir uns über unsere Eindrücke aus und spielten ein gemeinsames Gruppenspiel.
Tag 2: Die Gedenkstätte Auschwitz
Am zweiten Tag besuchten wir die Gedenkstätte Auschwitz I, das sogenannte Stammlager. Neben persönlichen Gegenständen der Opfer und Bildern von Deportationen war besonders die Ausstellung über jüdische Familien bewegend. Die Fotos zeigten Menschen, die ihren Alltag lebten und Zeit mit ihren Familien verbrachten. Sie unterschieden sich nicht von uns. Deshalb stellte sich mir die Frage, wie es dazu kommen konnte, dass diese Menschen verfolgt und ermordet wurden. Die Ausstellung machte mich sehr emotional, da mir das Ausmaß der Verbrechen und das Leid der einzelnen Menschen erst dort richtig bewusst wurde. Auch der Durchgang durch die Gaskammer ist mir im Gedächtnis geblieben, weil man dort richtig gespürt hat, was dort passiert ist, also ich hatte dort ein richtig ungutes Gefühl und Gänsehaut. Später nahmen wir an einem Workshop über Kinder in Auschwitz teil, bei dem wir über die Ankunft, die Arbeitsbedingungen und das Trauma der Kinder aus Auschwitz lernten. Der Workshop war sehr informativ und spannend und hat mir geholfen, mehr über die Kinder zu der Zeit zu erfahren, was sonst eigentlich nie so richtig angesprochen wird.
Tag 3: Auschwitz-Birkenau Am dritten Tag besuchten wir Auschwitz II-Birkenau. Trotz des schlechten Wetters liefen wir über das Gelände und sahen die Rampe, die Lagerbaracken und die zerstörten Überreste des Lagers. Es war unvorstellbar, unter welchen Bedingungen die Häftlinge leben mussten und wie ihnen ihre Privatsphäre und Würde genommen wurden. Ein Moment, der uns besonders in Erinnerung blieb, war, als wir auf einem von Stacheldraht umgebenen Weg plötzlich Rehe sahen, die unter dem Zaun hindurch auf eine Wiese liefen. Dieser Anblick war besonders eindrucksvoll, da die Tiere sich frei bewegen konnten, obwohl an diesem Ort so viele Menschen ihrer Freiheit beraubt worden waren. Gerade an einem so schrecklichen Ort war dieser Moment für uns etwas Besonderes. Nach der Führung fuhren wir nach Krakau und tauschten uns abends in einer Reflexionsrunde über unsere Gedanken aus.
Tag 4: Krakau und das jüdische Viertel
Am vierten Tag unserer Reise hatten wir eine Stadtführung durch Krakow. Wir sind durch das jüdische Viertel Kazimierz gelaufen und haben uns viele Sachen angeschaut. Unsere Stadtführerin hat uns viele Informationen über Krakow erzählt und wir haben unter anderem die Remuh Synagoge besucht und sind anschließend durch das Gelände des ehemaligen Ghettos gegangen. Noch heute sieht man an zwei Stellen einen Teil der Mauer, die damals als Einzäunung galt. Wir haben auch Schindlers Fabrik von außen gesehen, in der er über 1.200 Juden das Leben rettete. Besonders interessant war das Zeitzeugengespräch am Nachmittag. Die Zeitzeugin war damals ein Kind und hat von ihrer Angst erzählt, die sie verspürte, da sie sich versteckt haben. Ihre Geschichte machte deutlich, wie viel Angst die Menschen damals hatten und es ist spannend, das von ihr persönlich erzählt zu bekommen und es nicht nur zu lesen. Generell bin ich sehr dankbar dafür, dass wir das Zeitzeugengespräch hatten, da es bald keine Zeitzeugen mehr geben wird, deswegen finde ich es wichtig ihre Geschichten weiterzuerzählen, so dass das nie vergessen wird. Am letzten Abend machten wir dann eine Bootsfahrt und sahen Krakau bei Nacht, was sehr schön war mit den ganzen Lichtern.
Tag 5: Abreise
Am letzten Tag waren wir alle sehr müde und erschöpft und sind mit vielen neuen Eindrücken zurückgeflogen. Ich persönlich habe in der Zeit nach der Reise viel darüber nachgedacht und war sehr dankbar, das Angebot bekommen zu haben auf diese Reise gehen zu dürfen und ich habe viel Neues gelernt und finde, jeder sollte mindestens einmal im Leben nach Auschwitz fahren, damit wir nicht vergessen.
Fazit
Vor der Reise kannte ich die Geschichten nur aus Büchern oder aus dem Unterricht, aber nun einmal dort gewesen zu sein macht die Geschichte viel greifbarer, vor allem durch die ganzen Bilder, die persönlichen Gegenstände der Opfer und die Geschichten der Personen. Besonders die Ausstellung der Familien und das Gespräch mit der Zeitzeugin haben mich zum Nachdenken gebracht. Ich frage mich, wie es dazu kommen konnte, dass so viele Menschen den Hass der Nationalsozialisten unterstützten oder hinnahmen. Die Reise hat mir gezeigt wie wichtig es ist, sich an die Vergangenheit zu erinnern, Ausgrenzung und Antisemitismus ernst zu nehmen und dafür einzustehen, dass sich solche Verbrechen nicht wiederholen.
Julia Bucsa








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