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von Admin

Begegnung des Jahrgangs 12 mit Reiner Engelmann

„Wo Opfer sind, sind auch Täter“

„Wo Opfer sind, sind auch Täter“ – Begegnung des Jahrgangs 12 mit Reiner Engelmann

12. Juni, der Geburtstag von Anne Frank, wird zum Anlass für eine Reihe von Veranstaltungen und Aktivitäten in der IGS Kurt Schumacher in Ingelheim. Neben einer Ausstellung in der Dreieckshalle und einer Lesung von Zwölftklässlern für die Elftklässler im WBZ gibt es für die Schüler:innen des Jahrgangs 12 eine Begegnung mit dem Bad Kreuznacher Autor Reiner Engelmann. Er ist bekannt für seine lebendig erzählten Bücher, die Personen aus der Zeit des Nationalsozialismus in den Fokus setzen. Denn das ist das Ziel von Reiner Engelmann: jungen Menschen verdeutlichen, was der Holocaust für Menschen konkret bedeutet hat, nicht mit Zahlen und Lehrstoff, sondern an konkreten Schicksalen von Menschen.

So beginnt Reiner Engelmann nach einer Begrüßung durch den stellvertretenden Schulleiter Stefan Lechert direkt mit der Geschichte von Oskar Gröning, dem Buchhalter des KZ Auschwitz. Oskar Gröning ist kein Opfer des Holocaust, sondern ein Teil der Mordmaschine: ihr Buchhalter, der Mann, der die Einnahmen sammelt, zählt und verwaltet. Nicht gleich begreift Gröning, was er da tut.  Als junger Mensch, geprägt von seinem Vater, der der Gruppe Stahlhelm angehörte, strebte Oskar Gröning nach einem verantwortungsvollen Posten, möglichst kriegswichtig. Nach einer Ausbildung zum Finanzkaufmann arbeitete er, wurde jedoch nach wenigen Jahren nach Berlin berufen. Freudig folgte er dem Ruf. Der Auftrag, ein Geheimauftrag, über den er nicht reden durfte, führte ihn über Dachau bei München in Richtung Osten, nach Auschwitz in Polen. Schon in Dachau konzentrierte sich Gröning auf das Verwalten von Geld und brachte die zwei großen Reisekoffer voller Stolz zum Reichswirtschaftshauptamt nach Berlin, wenn sie gefüllt waren aus dem Hab und Gut, dass die Verhafteten mitbrachten. Auf die Frage an einen SS-Soldaten, was denn da geschehe im Lager, erhält er die Antwort: „Wir entsorgen Menschen.“

Reiner Engelmann erzählt auch von Eva Fahidi, einer Überlebenden, die in Auschwitz als Jugendliche ankam und erst nach einiger Zeit realisierte, dass sie ihre gesamte Familie von 49 Personen verloren hatte. Mit einer unvorstellbaren Kraft steht sie die Zeit der Verfolgung bis zum Kriegsende durch, wird ausgewählt für einen Arbeitseinsatz in Hessen und Deutschland und entrinnt so der Mordmaschine Auschwitz nach wenigen Wochen. Doch der Verlust ihrer Familie schmerzt sie ein Leben lang. Zur Hochzeit kommen viele Verwandte ihres Mannes zu Besuch, doch aus ihrer Familie kommt niemand. Es gibt niemanden mehr.

Drei Schulstunden dauert die Begegnung zwischen Reiner Engelmann und den Zwölftklässlern. Voller Spannung hören sie seine Erzählungen. Nach einer Pause ist Zeit für Fragen: „Wie geht man mit diesen Geschichten um?“ Reiner Engelmann nimmt sich Zeit und antwortet auf den Punkt. Die Schüler:innen sind sehr angetan. „Das war der beste Vortrag, den wir je hatten“, sagt eine Schülerin.

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