INTEGRIERTE GESAMTSCHULE KURT SCHUMACHER INGELHEIM UNESCO PROJEKT SCHULE

AG-Liste

Liste der angebotenen AG’s an unserer Schule für das Schuljahr 2010/2011

AGAG – Unsere Anti-Gewalt und -Rassismus AG

Unsere Schule ist allen Gedanken und Taten verpflichtet, die sich gegen Gewalt, Diskriminierung, Rassismus und Intoleranz richten.
Mitglieder unserer Schulgemeinschaft  engagieren sich deshalb seit Jahren mit vielfältigen Aktionen in der AGAG und freuen sich über neue Mitstreiter, die sie dabei unterstützen.
Weitere Informationen in der PDF-Datei und auf unserer Homepage www.agag-igs.de

AGAG-Wir über uns

Aktion Stolpersteine

Vor 64 Jahren
– Die Ingelheimer Nazi-Leitung meldete nach Berlin:
Unsere Stadt ist judenfrei!

Mit der  Veranstaltung „Wir leben trotzdem“ erinnerte die AGAG der IGS Kurt Schumacher an die 17 Ingelheimer Bürger, die am 20.September 1942 in die Konzentrationslager Treblinka und Theresienstadt deportiert wurden.

Mit diesem kulturellen Abend wurde auch die Aktion „Stolpersteine“ vorgestellt, während der vor dem letzten Wohnort der Deportierten „Stolpersteine“ in Form von Gedenktafeln mit Informationen über diese Menschen in die Bürgersteige eingearbeitet wurden.

Sarah Zollino führte durch die Veranstaltung, in der zunächst der Schulleiter Jürgen Wawrzyniak mit folgenden Worten auf den Abend einstimmte:
„Wo die Musik spielt, kann es nicht so schlimm sein.“
Das Zitat stammt aus einer Rede von Frau Bejarano am 8.1.2005 gehalten, als sie auf die Zeit als Mitglied des Mädchenorchesters im KZ zurückblickte. Die entsprechende Passage  lautet:

„Wir mussten am Tor (Anm.: am Eingangstor des Lagers Auschwitz) spielen, wenn die Arbeitskolonnen aus dem Lager marschierten und wenn sie abends wieder zurückkamen. Später mussten wir spielen, wenn neue Transporte aus ganz Europa ankamen, die direkt ins Gas fuhren. Wir wussten, wohin die Züge fuhren. Mit Tränen in den Augen spielten wir. Die Menschen in den Zügen winkten uns zu. Sicher dachten sie, wo die Musik spielt, kann es so schlimm nicht sein. Hinter uns standen die SS-Männer mit ihren Gewehren.“ –

Diese im Rückblick geschilderte Situation offenbart die zynische Unmenschlichkeit von machthaberischen Verbrechern und ihren Schergen. Die Kunst der Musik im pervertierten Dienste der Menschenvernichtung. – Es ist für uns schier unfassbar, aber dennoch wahr.
Die IGS hat heute  Abend für die Veranstaltung „Wir leben trotzdem“ im Rahmen der Aktion „Stolpersteine“ gerne die Schul-Aula zur Verfügung gestellt, um  dazu beitragen zu können, dass sich das Vergangene nicht wiederholen oder unter neuen Etiketten etablieren kann.

Dazu ist es  lebenswichtig, Zeitzeugen  zu hören, die uns von ihren Erlebnissen und ihrem Widerstand berichten.

Ich danke allen, die sich für die Aktion und die heutige Veranstaltung engagiert haben, und ich wünsche und hoffe, dass diese Veranstaltung ihr Ziel erreicht, nämlich in der  Rückbesinnung auf das Gestern das Bewusstsein für heute und  morgen zu stärken, dass Humanität und die Achtung der Menschenwürde durch nichts zu ersetzen ist.

Florian Zimmermann schilderte nach einem Grußwort des Oberbürgermeisters Dr. Gerhardt die bisherige erfolgreiche Arbeit derAGAG. Viele Erinnerungen wurden dabei wach an große Momente unserer Schulgeschichte, z.B. die Verleihung des Titels „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage!“, an der auch Peter Gingold bereits Teil nahm, oder die Fahrt zum Konzentrationslager Auschwitz.

Stephanie Schupp berichtete anschließend über Lebens- und Leidenswege der 17 letzten, am 20.September 1942 deportierten Ingelheimer Juden, die von den Mitgliedern der AGAG recherchiert worden waren und zur Aktion „Stolpersteine“ führte.

Mit sehr emotionalen und mitreißenden Worte schilderte der 91-jährige Peter Gingold, wie Ester Bejarano Träger der Karl von Ossietzky-Medaille, die Befürchtungen und Hoffnungen der Menschen, die vor über 60 Jahren aktiv Widerstand gegen den Nazi-Terror leisteten: „Unser aller Albtraum war es, dass unser Wirken vergeblich und die Gräueltaten der Nazis in 50 Jahren vergessen sein würden. Was ich hier an dieser Schule erleben darf zeigt mir, dass unsere Hoffnungen, dass Antisemitismus und Nazi-Diktatur in Deutschland nicht mehr Fuß fassen können, wahr werden können. Habt Mut, macht den Mund auf gegen „Rechts“! Betrachten Sie mich und Ester Bejarano als Reisende in Sachen Mutmachen!“
Lang anhaltender Beifall der weit über Hundert Gäste begleitete Peter Gingold zurück zu seinem Sitzplatz.

Ester Bejarano und ihre Gruppe Coincidence gestalteten den zweiten Teil der Veranstaltung mit Liedern aus dem jüdischen Ghetto, dem Widerstand und der Diaspora. In vielen Sprachen trugen Ester Bejarano und ihre Tochter Edna traurige, hoffnungsvolle, Leben bejahende und aufrüttelnde Lieder vor, begleitet von Joram    Bejarano (Bass), Clemens Völker (Gitarre) und Wilfried Soltau (Cello).

Sarah Zollino beendete den mitreißenden und aufwühlenden Abend mit einem herzlichen Dank an alle Beteiligten.